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Volk der Falter und Knüddler
Was die Deutschen so alles auf dem Klo anstellen



   
 

Volk der Falter und Knüddler
Was die Deutschen so alles auf dem Klo anstellen

In einem wenigstens sind sich die Deutschen einig:

Da kann sogar der Kanzler zu Besuch kommen, das Toilettenpapier bleibt wie es ist! Kein Anlaß ist besonders genug, als daß das gute Dreilagige einem anderen Wisch-und-Weg weichen müßte.
VON DIETER HOSS

Kein Weihnachtsmann-Motiv, um die Rückstände der Christmast zu beseitigen, kein Eierpapier zur österlichen Hinter-lassenschaft und eben kein Birnen-Tissue für Politikerbesuche. Wer hat da durchs Schlüsselloch gelinst? Natürlich: die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Die Nürnberger Konsumwächter betreiben die Entmythologisierung des Alltags. Erst haben sie uns das Geheim-nis entrissen, wer was wann wie lange im TV ansieht, jetzt haben sie für die Gebrauchspapiermarke ,,Zewa" (die mit dem ,,Wisch und weg") die letzte Basti-on der Erholung in hektischer Zeit ge-stürmt. Ruhestörung auf dem Stil-len Örtchen.
Ruhe, Erholung? Ja, es ist wahr. Manch einer gönnt sich eine regelrechte Auszeit. Bis zu einer Stunde hält es der klassische Dauersitzer auf der Brille aus - insge-samt zehn Prozent der Deutschen. Bei 40 Prozent dauert eine Sitzung eine halbe, bei 45 Prozent eine Viertelstunde. Nur die wenigsten erledigen ihr Geschäft also mal eben so. Und das ist gut vor allem für die Verdauung. Außerdem sind wir hinter der Tür mit dem Herzchen derart geschäftig, daß man einfach Zeit braucht. Nur ein knap-pes Viertel möchte beim Gang der Gän-ge außer Ausscheiden nichts tun. Die an-deren sind höllisch beschäftigt, lösen Kreuzworträtsel, machen sich für den Abend schön, verabreden sich - Handy sei dank - noch rasch oder machen ,,Sonstiges". Die meisten - und zwar 42 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen - nutzen die Zeit der Erleichte-rung zur Information und lesen, sehr zu unserer Freude, in der Tageszeitung.
Doch diese Lesefreude kündet keines-falls vom Volk der Dichter und Denker, das wir einstmals so ruhmreich bildeten. Auf der Schüssel sind wir vor allem ein Volk der Falter und Knüddler. Für 60 Prozent der Bundesbürger liegt der Er-folg beim Abwischen flach auf der Hand: Sie falten das Toilettenpapier, ehe sie es benutzen. Die anderen, die Knüddler, halten ein Knäuel für effekti-ver. Welche Lösung die sauberste ist, hat die GfK nicht herausgefunden. Denn, so eine Sprecherin, die Umfrage sollte ,,halbwegs ästhetisch" sein.
So bleibt doch ein Geheimnis hinter deutschen WC-Türen verborgen. Eines noch sei aber verraten. Wir alle zusam-men verbrauchen in einem Monat soviel Klopapier, daß es viermal zum Mond und zurück reichen würde. Wer sich auf den Weg machen möchte: Vorsicht vor den Haufen.

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